Samstag, 4. April 2015

Das Internet


Habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass euch das Internet irgendwie auslaugt? Passend zur Karwoche habe ich meine Internetnutzung reduziert und mich mehr auf meine Freunde und meine Familie konzentriert. Dabei habe ich gemerkt, dass ich eigentlich das Internet gar nicht so sehr brauche wie ich oft denke. Es ist denke ich eine ziemliche Ironie das ausgerechnet im Internet selbst zuzugeben, aber ich hab einfach keinen Bock mehr darauf. Ich will wieder mehr Bücher lesen, richtige Bücher, Bücher zum Anfassen, die nach dem Kauf beim Durchblättern noch wie frisch gedruckt riechen. Ich will wieder CDs hören, keine MP3s. Ich will neben meiner Freundin sitzen und ihr alles erzählen, was mir gerade durch den Kopf schießt und wie es mir gerade geht, ganz ohne Whatsapp und Emojis. Ich will durch einen H&M laufen anstatt Zuhause auf meine neue Bestellung zu warten. Und eigentlich will ich diesen Text nicht tippen, sondern ganz klassisch mit einem Kugelschreiber in mein Notizbuch schreiben.

Aber andererseits: Es ist bequem, seine Musik immer im Digitalformat dabeizuhaben. Es ist oft auch ganz praktisch, meiner Freundin mal schnell ein Foto oder einen Screenshot zu schicken, denn man vergisst im Laufe des Tages viel und erzählt dann oft nur noch die Hälfte von dem, was man eigentlich erzählen wollte. Genauso ist es auch ziemlich erleichternd, auf dieses frustrierte Gefühl zu verzichten, das man hat, wenn man von einer Shoppingtour mit leeren Händen oder einem Frustkauf zurückkommt. Und bei meinem Notizbuch wäre es noch unwahrscheinlicher als bei diesem Blog, dass den Text jemand liest. Nur bei den Büchern, da bin ich absolut nicht kompromissbereit.

Auch wenn ich die Vorteile des Internets durchaus erkenne und irgendwie auch in letzter Zeit ein Twitterjunkie geworden bin, habe ich das Gefühl, dass das Internet mich zunehmend einsam macht. Vor allem nachdem ich ein paar Tage mal wenig bis gar nicht online war, fällt mir auf, dass ich viel ausgeglichener bin. Wenn ich mehr online bin, fühle mich deutlich einsamer und bin viel gereizter.
Und ich habe das Gefühl, dass mich das Internet sozusagen allein durch die 'Anwesenheit' dazu bringt, weniger zu lesen. Im Urlaub habe nur selten Internet und dort lese ich immer so unglaublich viel und bin danach viel erhohlter. Seit dieser Erkenntnis versuche ich, ein bisschen Urlaub zu mir nach Hause zu holen indem ich einfach mein Handy öfter auf dem Nachttisch liegen lasse, aber noch funktioniert das nicht so ganz, da sich dieser Zwang online zu sein, erst nach einer gewissen Zeit einstellt.

Außerdem will ich meine Zeit zurück. Ich will niemals erfahren, wie viel Zeit es ist, die ich schon verschwendet habe beim Gucken irgendwelcher Videos, Blogs lesen oder Stalken irgendwelcher Leute. Ich will sie einfach nur zurück!
Und da ist natürlich auch diese Nostalgie: Meine Schwester ist fünf Jahre jünger als ich und hat keine einzige Videokassette und nur die alten Kassetten von uns, besitzt einen E-Bookreader und hat fast nur Musik in digitaler Form. Außerdem ist sie kurz davor, sich in ihren jungen Jahren ein Smartphone zu kaufen. Ich weiß, dass sich Zeiten ändern, aber ich kann die alten Leute immer mehr verstehen: Früher war glaube ich echt vieles besser. Ich will nicht, dass meine Kinder irgendwann mal in einer komplett digitalisierten Welt aufwachsen. Aber dieses Thema ist glaube ich fast noch einen neuen Post wert.

Ich wünsche euch frohe Ostern und eine tolle Zeit mit der Familie. Ich persönlich hoffe, dass dieses Jahr noch der Aha-Moment kommt durch den ich wieder neu begreife, was Ostern für mich bedeutet, nämlich dass da jemand ist, der für mich gestorben ist.

Bis bald
Eure Doro

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